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Jahresbericht 2008 | Über den Gartenzaun schauen

Oftmals sind Dinge, die wir in mühsamer Arbeit versuchen zu erarbeiten, bereits vorhanden und können in einer angepassten Form übernommen werden. Man muss nur bereit sein, über den Gartenzaun hinaus zu schauen. In der Freiwilligenarbeit der Kirche ist abgucken erlaubt. Miteinander vergleichen und voneinander lernen gilt auch in der Arbeit der Pfarreien.

Dazu bot der Seelsorgerat an seinen sechs Dekanatsabenden im Kanton Luzern eine Plattform. Vor der Hintergrund der neuen Pastoralräume, in denen in Zukunft über die Pfarreigrenzen hinaus zusammen gearbeitet werden soll, sind das gegenseitige Kennenlernen und der gemeinsame Erfahrungsaustausch wichtig. Oft gleichen sich die Probleme in den Pfarreien, die Lösungsansätze aber sind unterschiedlich.
Vielleicht hat eine Pfarrei eine Lösung gefunden, an der eine andere Pfarrei noch sucht. Somit ist es wichtig, dass die Pfarreien auf allen Ebenen miteinander im Gespräch bleiben.

Nicht nur auf Dekanatsebene, sondern auch auf Kantonsebene ist eine gute Zusammenarbeit und das gemeinsame Entwickeln neuer Perspektiven ein Anliegen des Seelsorgerates. An der Herbsttagung des Seelsorgerates in Horw wurde deshalb auf der Basis eines Referates von Dr. Walter Kirchschläger zum Thema «Zeitzeichen- Zeichen der Zeit» überlegt, wie wir im Kanton Luzern in unserer Zeit im Sinne des Evangeliums handeln können, ja handeln müssen.

Die Welt der Freiwilligenarbeit hört nicht an den Kantonsgrenzen auf. In den regelmässigen Treffen der Seelsorgeräte des Bistums Basel werden inhaltliche Themen zu unserem Glauben diskutiert. Wie sollen die Seelsorgestrukturen in den neuen Pastoralräumen gestaltet sein? Wie sieht die Zukunft des Beichtsakraments aus? Soll die Beichte aufgewertet werden, wenn ja mit welchen Ressourcen? Einen Konsens im Bistum zu finden ist oft schwierig. Wenn auch nicht alle unsere Ideen sofort umgesetzt werden, sind sie dennoch bei der Bistumsleitung als steter Tropfen, welcher auch einen Stein höhlen kann, bekannt.

Hoffnungsvoll ist der Blick über das Bistum hinaus. Aufbrüche und Umdenken sind vor allem in den Bistümern St. Gallen und Lausanne/Genf/Fribourg zu entdecken. Was bei uns oft noch verborgen ist, keimt an anderen Orten bereits. Darüber möchte ich am Schluss meines Jahresberichtes berichten.

Die Kirche besteht aus vielen unterschiedlichen Menschen. Diese lassen sich nicht mit einem «Einheitsbrei» abspeisen. Gemäss einer Studie gibt es mindestens zehn unterschiedliche Gruppen (sog. Sinus-Milieus) in der Schweiz), die man auf verschiedene Arten ansprechen muss. Was sie alle gemeinsam haben, ist der Glaube an Jesus Christus und einen Zugang zur Kirche. Diesen Zugang zu finden ist die Aufgabe der Kirche von heute. Das Bistum St. Gallen ist diese Aufgabe aktiv angegangen und hat Werbung für die Kirche im klaren Bewusstsein gemacht, dass die Jugend mit einem anderen Auftritt und Medium angesprochen werden muss, als Personen mittleren Alters; Personen der Arbeiterschicht wiederum anders als die traditionsbewussten Gläubigen oder die experimentierfreudigen Personen. Der christliche Zugang zu diesen Menschen kann zum Beispiel an einer Sportveranstaltung, im Kino, an einer Buchlesung, bei einer Benefizveranstaltung oder am Stammtisch gefunden werden. Das Bistum St. Gallen hat begonnen dies umzusetzen. Mit Kinospots, mit einer Weihnachtsbotschaft auf YouTube im Internet oder mit speziellen Postkarten zum Weitersenden versucht sie zudem, neue Gruppen anzusprechen.

Das Bistum Lausanne/Genf/Freiburg ist dem Bistum Basel bei der Umsetzung der Pastoralräume einen Schritt voraus. Anders als bei uns haben sich dort um ein regionales Zentrum grössere Pastoralräume mit bis zu 17 Pfarreien gebildet. Das Bistum hat den Pastoralräumen im organisatorischen Bereich klare Vorgaben geliefert, welche jetzt in die Tat umgesetzt werden. Auch da lohnt es sich, gute Ansätze in unsere Pastoralräume zu übertragen.

Der Blick über die Pfarreien, die Dekanate, den Kanton und das Bistum hinaus gibt mir Mut, an der Kirche der Zukunft mitzuarbeiten. Sich nur an den Rückschlägen und den Unzulänglichkeiten zu orientieren, führt zur Resignation. Wenn ich aber über den Gartenzaun hinaus schaue, sehe ich plötzlich Zeichen der Zeit, welche mir zeigen, dass das Potenzial von Ideen und neuen Ansätzen noch lange nicht ausgeschöpft ist. Damit warten auf den Seelsorgerat auch im 2009 weitere interessante Aufgaben.

Markus Muheim
Präsident