Zur Startseite Zur Navigation Zum Inhalt Zur Kontaktseite Zur Sitemapseite Zur Suche

Eine grössere Nähe zwischen Pfarreien und Ausländermissionen

Die traditionelle Herbsttagung des Katholischen Seelsorgerates des Kantons Luzern/KSRL wurde dieses Jahr von einer breiteren Trägerschaft organisiert. Neben dem Rat beteiligten sich auch das Bischofsvikariat St. Viktor sowie die Pastoralkommission Migrantenseelsorge des Kantons Luzern an der Vorbereitung. Das Treffen fand mit 55 Teilnehmenden am 21. Oktober im Centro Papa Giovanni, Emmenbrücke, statt.

Das Motto hiess: „Dazu gehören – fremd sein“. Das Ziel: Einheimische der Pfarreien und ausländische Gläubige der Ausländermissionen arbeiten enger zusammenarbeiten.

Kulinarisches Erlebnis

Es wurde spürbar: Das Miteinander von Schweizern und „Zugereisten“ ist nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine Bereicherung. Dies konnten die Teilnehmenden der Tagung konkret erfahren beim Mittagessen, das von Frauen aus vier Ländern des globalen Südens zubereitet wurde.

Tagung 2017 | © Walter Ludin

 „Viele Flüchtlinge mussten alles zurücklassen. Aber eines bringen sie mit: ihre Talente.“ So heisst der Slogan einer Luzerner Gruppe, die mit Asylsuchenden Aktivitäten unternimmt. Zu den genannten Talenten gehören die Kochkünste, die selbst Frauen ohne Bildung beherrschen.

Im Centro Papa Giovanni wurden nicht etwa Spaghetti oder Pizzas aufgetischt. Man wagte eine weiter führende kulinarische Reise. Denn das Mittagessen wurde von Frauen aus Sri Lanka, Eritrea, Syrien und den Philippinen gekocht – und schmeckte vorzüglich.

Gemeinsame Wallfahrten

Wie kann die Wahrnehmung von Migranten in den Pfarreien gefördert werden und wie sind Doppelspurigkeiten zu vermeiden? Eine Antwort auf diese Frage hiess: „Vermehrt Synergien nutzen“. Dazu ein mehrmals genanntes Beispiel: Die Landeskirche, etliche Pfarreien und fast jede Ausländermission organisieren Wallfahrten nach Einsiedeln oder in den Ranft. Warum können sie sich nicht gemeinsam auf den Weg machen?

Schon wegen des prekären Mangels an Personal dränge sich eine engere Zusammenarbeit von Pfarreien und Ausländermissionen auf, wurde weiter betont. Eine Möglichkeit seien mehrsprachige Gottesdienste, auch wenn dabei die Sprachbarrieren für manche abschreckend seien.

In den Gottesdienst statt in die Pizzeria

Betreff Gottesdienste: Die Missionen würden sich freuen, wenn Schweizer zu ihnen in die Eucharistie kämen, hiess es. Ein Beispiel: „Andere gehen in die Pizzeria. Ich gehe in den Gottesdienst der Italiener.“

Ein weiterer Vorschlag: „Laden wir Chöre der Ausländer in unsere Pfarreigottesdienste ein.“ Vielleicht würde man nicht alles verstehen – aber dies so ja auch in vielen Liedern so, die im Radio zu hören sind.

«Wer ist katholischer?»

Die Beziehungen zwischen den Pfarreien und den ausländischen Missionen seien nicht immer konfliktfrei, meinte Bischofsvikar Ruedi Heim in seiner Begrüssung. Bisweilen gäbe es Streit um die Frage: „Wer ist katholisch? Und wer ist noch katholischer?“ Damit nahm Heim einen Befund auf, der referiert wird in der Studie „Kirchen in Bewegung. Christliche Migrationsgemeinden in der Schweiz“ (Schweizerisches Pastoralsoziologisches Institut/SPI). Judith Albisser, einer der Herausgeberinnen, lieferte in ihrem Einleitungsreferat einige Zahlen:

Tagung 2017 | © Walter Ludin

„Die Mehrheit der katholischen Migrationsgemeinden findet, dass der Glaube in der Schweiz in der Krise sei und dass die Schweiz neu evangelisiert werden müsse (85% einverstanden/eher einverstanden).“ Und: „Kirchen in der Schweiz sind ein Vorbild für meine Gemeinde (62% nicht einverstanden/eher nicht einverstanden.“

Angesichts solcher (Vor)Urteile bekommt das in den Gruppengesprächen öfters genannte Postulat eine besondere Bedeutung: „Wir müssen Berührungsängste abbauen und aufeinander zugehen.“

Neues aus den Missionen

Delegierte einiger Ausländermissionen hatten die Gelegenheit, im Plenum in je sechs aus dem Leben ihrer Gemeinschaften zu berichten.

  • Die Albaner konnten kürzlich ihr 25-Jahr-Jubiläum feiern.
  • Die Italiener haben nun im Kanton Luzern nur eine statt fünf Missionen, allerdings mit fünf „Pastoralzonen“.
  • Die Kroaten bereiten zahlreiche Brautpaare auf die Ehe vor. Die Trauungen finden meistens in der Heimat statt – ebenso die Beerdigungen.
  • Die Mission der Portugiesen ist ein den letzten Jahren massiv gewachsen, da aus wirtschaftlichen Gründen viele ihre Heimat verlassen und bei uns Arbeit suchen.
  • Man spricht zwar immer noch von „Spaniermission“. Doch sind dort die Spanier in der Minderheit, weil sehr viele Mitglieder aus Lateinamerika kommen: „1 Sprache – 21 Länder“. Nebenbei: Der Sprecher dieser Mission erlaubte sich eine etwas boshafte Nebenbemerkung zum Stichwort „Schweizer Identität“: Die Kartoffeln kommen aus Südamerika, die Schokolade ursprünglich aus Mittelamerika …

Wer bezahlt?

Hans-Peter Bucher, Geschäftsführer der Luzerner Migrantenseelsorge befasst sich in seinem kurzen Schlussreferat mit finanziellen Fragen. Die Ausländermissionen haben einen jährlichen Finanzbedarf von rund 3 Millionen Franken. Davon werden 60 Prozent durch die staatliche Quellensteuer und 19 Prozent durch die Kirchgemeinden aufgebracht.

Tagung 2017 | © Walter Ludin

In seinem Schlussvotum wies Bischofsvikar Ruedi Heim darauf hin, dass die Ausländermissionen mehr Geld für soziale und gesellschaftliche Projekte aufwenden als die Kirchgemeinden, die dafür mehr infrastrukturelle Aufgaben haben.

Probleme

Im Verlaufe der Gespräche wurde ein Problem mehrmals erwähnt, das zwischen Pfarreien und Missionen öfters auftritt: Es kommt vor, dass Räume, die den ausländischen Gemeinschaften etwa in Pfarreizentren zugestanden werden, ohne Vorankündigung für eigene Bedürfnisse gebraucht werden. „Ich stand mit 20 Schülern da und hatte keinen Zugang zum Zimmer, das uns gewöhnlich zur Verfügung stand.“

Ein weiterer Engpass: Die italienischen und portugiesischen Bischöfe sind kaum mehr in der Lage, Priester in die Schweiz zu schicken. Die Lücke müssen Inder, Polen oder Afrikaner füllen. Ein nicht gerade idealer Zustand, auch wenn es sich für die Italiener-Missionen um Priester handelt, die in Rom studiert haben …

Text und Fotos von Walter Ludin

Tagung 2017 | © Walter Ludin
Tagung 2017 | © Walter Ludin
Tagung 2017 | © Walter Ludin
Tagung 2017 | © Walter Ludin
Tagung 2017 | © Walter Ludin
Tagung 2017 | © Walter Ludin
Tagung 2017 | © Walter Ludin
Tagung 2017 | © Walter Ludin
Tagung 2017 | © Walter Ludin
Tagung 2017 | © Walter Ludin
Tagung 2017 | © Walter Ludin
Tagung 2017 | © Walter Ludin
Tagung 2017 | © Walter Ludin
Tagung 2017 | © Walter Ludin
Tagung 2017 | © Walter Ludin
Tagung 2017 | © Walter Ludin